Vorgestern auf dem Werbung 2.0 Kongreß in Wiesbaden


8. November 2007, von in Marketing, Neuigkeiten, Veranstaltungen, Web x.0

So, mit mittlerweile zwei Tagen Abstand nun noch der versprochene Review auf den Kongreßtag in Wiesbaden:

Programm Werbung 2.0 WiesbadenDie ersten beiden Vorträge waren so làlà und die Organisation des Kongresses eher grenzwertig – darüber möchte ich gar nicht sprechen ;)
Ausser, dass sich mir während eines Vortrags irgendwann die Erkenntnis einschlich, dass sich ein grosser männlicher Anteil der Blogosphere noch sehr mit der Blog- und Web 2.0-Technik an sich und deren Weiterentwicklung beschäftigt (was sehr notwendig ist), wohingegen der grosse Teil der weiblichen Bloggerinnen die Technik einfach nutzt und damit über Themen des Alltags berichtet. Aber das nur so als ein Anflug von These.
Ah! Und natürlich: Wenn ich schon in einem Vortrag über ein Corporate-Blog abhetze und behaupte dort seien Kommentare deaktiviert und ausser dem Chef schreibt dort eh niemand, sollte ich mich vorher drüber informieren ob meine Aussagen stimmen. Besonders wenn im Publikum mit der Internetnutzung mächtige Zuhörer zu rechnen ist, die mal grade nachschauen können, ob das denn alles so passt, was ich von mir gebe. Besonders wenn der Rest meines Vortrages aus dem Galoppieren durch diverse Studienergebnisse besteht und ich diese Ergebnisse damit rückwirkend in Frage stelle.

Danach kam für mich aber die Überraschung des Tages – Martin Oetting war mir beim Überfliegen der Referenten-Liste ganz entgangen. Gerade am Abend vorher hatte ich noch einen Trackback an sein Blog Connectedmarketing gesetzt (für das nette Second Life Zitat ;)) Der Vortrag war erfrischend, informativ und dabei noch überaus unterhaltsam. So konnte ich meinem Wortschatz gleich zu Beginn das Adjektiv großfressig hinzufügen und habe in den darauffolgenden 45 Minuten eine Menge Neues und Interessantes über Mundpropaganda, Involvement des Kunden und Empowerment der Mitarbeiter gehört.

Vieles von dem was Martin erzählte klang nach dem genau passenden Gegenstück zu Franks Vortrag und dem was wir hier bei uns tagtäglich praktizieren und hat mir mal wieder vor Augen geführt, wie irre weit vorne wir sind was die Kommunikation nach innen angeht. Das worüber andere noch reden und nachdenken, setzen wir schon lange erfolgreich im Tagesgeschäft ein.

Die interessanteste These, die ich aus dem Vortrag mitnahm war die, dass letztendlich jedes Produkt eine Dienstleistung ist. Dies wurde am Beipiel iPod verdeutlicht – gekauft wird ein Produkt – aber die Dienstleistung die damit verknüpft wird ist dass der Benutzer immer und überall seine Musik hören und sich ein gutes Gefühl machen kann.
Dass der Erbringer der Dienstleistung der Kunde selber ist – er trägt den iPod, er wählt die Musik aus und überträgt sie auf das Gerät etc. steht dabei ausser Frage, aber so gesehen läßt sich beinahe jedes Produkt als Dienstleistung betrachten.
Wer sich genauer informieren möchte findet weiteres in dem Artikel Evolving to a New Dominant Logic for Marketing.

opel astra sommertour 2007Darüberhinaus weiss ich jetzt, was ich mir unter dem Endverbrauchersack vorstellen muss und wie klassische Werbung diesen versucht randlos voll zu stopfen ;) Mit seinem Arbeitgeber trnd.com geht Martin hier vollkommen andere Wege und stößt ganz gezielt Mundpropaganda an, indem ausgewählte Kunden aus dem Pool der trnd-Mitglieder in die Einführung neuer Produkte eingebunden werden. Er verdeutlichte dies an den Beispielen Wrigleys Kaugummi und der Opel Astra Sommertour.

Ich kann nur empfehlen: Meldet Euch bei trnd an. Gut möglich, dass Ihr dann auch mal bei einer interessanten Aktion mitmachen könnt.

Glücklicherweise konnten wir Martin überzeugen, sich Franks Vortrag mit anzuhören und hinterher noch ein bißchen zu plaudern und wie sein umfangreicher Blogeintrag zu uns zeigt, hat Franks Session genau ins Schwarze getroffen ;)
Ihr solltet unbedingt Martins Blogbeitrag über uns lesen! – Marketing 2012 (Teil 2). Oder: manchmal kommt es anders.

Abschliessend hörten wir noch den ebenfalls sehr guten Vortrag vom OgilvyOne Geschäftsführer Thomas Sterath „The Consumer is a cat“ mit der Aufforderung: Sei wo Dein Kunde ist – be digital. OgilvyOne hat da wirklich einige sehr innovative Werbeformen am Start – z.B. Werbeflächen in Computerspielen oder das Beispiel von Telstra in deren T-Punkt ähnlichen Stores die Angebote auf den Werbeplasmas an die Kundenströme angepasst werden. So werden zur Zeit nach der Schule eher Prepaid-Angebote eingeblendet wohingegen zwsichen 18 und 22 Uhr Businesstarife angeboten werden.

Eine weitere innovative Erkenntnis war, das der Kunde zu dazu gebracht werden soll, auf der einen Seite Zeit einzusparen (time saving), sich seine Zeit anders einzuteilen (time shifting) und dann die eingesparte und neu eingeteilte Zeit wieder verbrennt (time burning) damit stellte Herr Sterath die Aussage in den Raum:
„Als Marke muss man den Leuten helfen Zeit zu verbrennen“. Sprich die Werbung dort unterbringen, wo der Kunde mit Aufmerksamkeit unterwegs ist oder sogar die Werbung freiwillig in seine Unterhaltungsbeschäftigung integriert.

Fazit:
Viel gelernt am Dienstag, sehr gute Gespräche geführt, Inspirationen mitgenommen und nette Leute getroffen.

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