Thesen zur Zukunft des Wissensmanagement


9. November 2007, von in Artikel, Web & IT, Web x.0, Wiki

Wir bewegen uns momentan auf eine Konsolidierung von Wissen und individuellen Nutzerdaten hin, wie sie bisher noch nicht dagewesen ist. Technorati vergibt Authorität und die Aktivität in Netzwerken oder die Beliebtheit in Communities wird zukünftig darüber Auskunft geben, wie die Aussagen oder das preisgegebene Wissen des einzelnen einzuordnen ist.

Für das Wissensmanagement bedeutet das, dass nicht mehr nur an jeder möglichen oder unmöglichen Stelle im Internet Informationen veröffentlicht werden, sondern das diese Informationen durch interagierende Social Networks in ganz neue Zusammenhänge gebracht werden. So wird möglicherweise die Behauptung eines XING-Nutzers mit hohem Aktivitätsindex, der ein Blog mit hoher Authorität betreibt und dazu noch mit vierstelligem Freundeskreis bei Myspace aufwarten kann zukünftig möglicherweise besser angenommen und bewertet, als die von jemandem mit weniger virtueller Reputation.

Mal sehen wie lange es dauert, bis Google auch diesen Trend erkennt und eine OpenID-artige Schnittstelle bietet so dass der geneigte Nutzer seine Profile alle unter einem Dach hosten kann.
Ansätze dazu gibt es ja schon: Hier als Web-Service-Lösungen und mit NoseRub als Open-Source Lösungen für den eigenen Server.

Dies alles setzt klare Indikatoren dafür, dass sich Unternehmen mit den wesentlichen Trends des Wissensmanagements auseinandersetzen sollten.

1.Die Bedeutung des Wissensmanagements wird noch weiter zunehmen

Eine banale aber nicht triviale Hypothese: Schon heute sind Informationen und Wissen die zentralen Werttreiber in Unternehmen. Wissenserzeugung und das Management des vorhandenen Wissens werden in den nächsten Jahren noch einmal erheblich an Bedeutung gewinnen. Wahrscheinlich wird dieser Aspekt der entscheidende Wettbewerbsfaktor werden.

2. Die Grenzen der Transparenz in Unternehmen werden sich noch weiter dramatisch nach Außen verschieben

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Es ist bereits heute klar zu erkennen, dass das Teilen von Informationen mit möglichst vielen Menschen außerordentliche Vorteile bietet. Während in vielen Unternehmen noch undurchlässige Barrieren innerhalb der einzelnen Abteilungen bestehen, sind für andere Unternehmen diese Barrieren längst beseitigt.

Dies wird aber nur der erste Schritt sein. Es wird eine immer weitere Öffnung von Unternehmen nach Außen geben.

Der Grund dafür ist offensichtlich: Transparenz schadet nicht, sie nützt massiv. Je mehr Informationen ein Unternehmen nach draußen gibt, desto mehr Rückmeldungen und sogar Mitarbeit an der Wissenserzeugung bekommt es.

Vieles, was heute noch als Betriebsgeheimnis gilt, wird künftig, wie selbstverständlich mit der breiten Öffentlichkeit geteilt. Das kann sogar soweit gehen, dass Meetings und Entscheidungsprozesse öffentlich unter Einladung wesentlicher Zielgruppen (Partner, Lieferanten, Kunden, Forschung und Lehre stattfinden. Die technischen Voraussetzungen dafür gibt es längst (Interwise, Second Life, WebCast, ScreenCast).

3. Wissensmanagementssysteme ohne Hürden zur sofortigen Änderung (z.B. Wikis) werden hierarchische Systeme um Längen schlagen

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Die Selbstregulierungsmechanismen von Web-Communities sind auch in Unternehmen ohne weiteres nutzbar. Man gewinnt dadurch so viel Motivation, Qualität und Geschwindigkeit, dass sich diese Wiki-Methode immer weiter verbreiten wird. Führungskräfte gewinnen hierdurch eine Menge Zeit, um sich auf wesentliche Führungsaufgaben konzentrieren zu können.

Was Open Source Softwareprojekte und Wikipedia organisatorisch vorgemacht haben, wird schon bald Realität bei vielen Unternehmen werden. Mitarbeiter, die ohne komplizierte Freigabeverfahren mitarbeiten können, nutzen diese Möglichkeiten auch sehr verantwortungsbewusst.

4. Nutzer-Profile werden im Wissensmanagement eine zentrale Rolle einnehmen

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Wikis haben heute gegenüber Social Webs, wie MySpace, youtube, StudiVZ und XING und den meisten OnLine Spielen, wie Battlefield und WoW einen entscheidenden Nachteil: Die Profilfunktionen sind zu schwach ausgeprägt. Dies wird sich schon sehr bald ändern. Die Funktionen des Social Webs werden Einzug in das Wissensmanagement halten.

Die wesentlichen neuen Funktionen in Wikis werden sein:

  • Freundenetzwerke
  • Tagging (Eigen- und Fremdtagging) für die Kennzeichnung und Bewertung von Fähigkeiten
  • Bewertungssysteme parallel zu eBay
  • Tracking von Beiträgen der Nutzer

Es ist heute schon absehbar, dass künftig Nutzerprofile eine der wichtigsten Währungen im Netz und somit im Wissensmanagement werden. Man kann davon ausgehen, dass es künftig möglich sein wird, Profilinhalte aus unterschiedlichen Plattformen zu einem Meta-Profil zusammenzuführen. Die Übertragung und Sichtbarmachung von Leistungen und Erfolgen von einer zur anderen Plattform wird dann möglich sein.

Ein Kunde wird dann möglicherweise bei amazon sein eBay-Berwertungen angezeigt bekommen.

Es ist heute offensichtlich, welche ungeheure Motivationswirkung von Profilen und möglicherweise damit verbundenen Plattformkarrieren ausgeht. Die Plattformen mit den besten Profilfunktionen haben heute die höchsten Mitarbeitszeiten.

Nutzerprofile ermöglichen in einem außerordentlichen Maße die Zusammenarbeit mit völlig Unbekannten. Aufgrund der Bewertungen anderer Nutzer kann man sich ein Bild davon machen, wie kompetent oder vertrauenswürdig ein anderer Nutzer ist.

5. Das Anbieten von Orientierung in den Wissensmanagementssystemen wird eine weitere zentrale Aufgabe von Unternehmen

Je besser Wissensmanagementssysteme funktionieren, desto schneller werden immer mehr Informationen erzeugt. Damit wird künftig die Möglichkeit der schnellen Informationsbeschaffung und Orientierung eine weitere wichtige Rolle einnehmen. Anderenfalls werden die passiven Nutzer (die Informationssuchenden) massiv überfordert.

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Algorithmische kombiniert mit nutzererstellten Orientierungs- und Suchfunktionen werden eine unschlagbare Einheit darstellen

Google hat den Durchbruch und seine monopolartige Stellung seinen Suchalgorithmen zu verdanken. Durch Google hat die Informationsbeschaffung eine neue Qualität im Internet bekommen. Aber: Je länger man Google nutzt, desto offensichtlicher wird die Schwäche der reinen algorithmischen Lösung. Man muss schon ziemlich genau wissen, was man sucht. Anderenfalls wird man irgendwann frustriert aufgeben.

Bis Algorithmen semantische Suchen anbieten können, könnte eine Mischform zwischen Algorithmen und nutzergesteuerten Suchverfahren das Optimum darstellen. Der Suchende stellt seine Frage ganz einfach in die Plattform und Experten übernehmen die Suche und Orientierung. Wenn man dies durch Algorithmen so unterstützt, dass einmal gegebene Antworten mehrfach verwendet werden können, wird die Motivation der Experten noch einmal steigen. Man kann auch ziemlich sicher davon ausgehen, dass eine Vergütung dieser Expertenleistung künftig ein Standardelement sein wird.

6. Die Einbindung externer Partner und von Kunden in die Wissensmanagementsysteme wird sich stark ausweiten

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Genauso wie sich die Grenzen der Transparenz nach außen verschieben werden, werden sich die Grenzen der Zusammenarbeit bei der Wissenserzeugung noch einmal deutlich verschieben. Zunächst wird sich durch die modernen Wissensmanagementssysteme die Matrixfähigkeit von Unternehmen erheblich verbessern. Durch die Öffnung in Richtung der externen Geschäftspartner werden weitere erhebliche Effektivitätsgewinne entstehen.

Das vorläufige Ende der Ausweitung wird die Einbeziehung der Kunden in den Wissenserzeugungsprozess sein. Unternehmen werden ihre Kunden auf Augenhöhe als Mitproduzenten wahrnehmen. Das bedeutet aber auch das Ende des Werbegesülzes der Unternehmen. Wer nicht lernt, mit seinen Kunden wie mit normalen Menschen zu reden, wird sie als Partner nicht gewinnen können. Außerdem bedeutet dies auch, dass die Unternehmen einen gehörigen Teil der Kontrolle über die Kommunikation verlieren werden.

Alexander Kahl, 10. November 2007 um 12:36

Systemone hat sieht in der Tat ganz interessant aus. Gut, im Prinzip handelt es sich ja um etwas wie ein Wiki mit etwas andere Darstellung.

Besonders intressieren würde mich die „FInd as you type“-Funktion in internen Artikel und im Internet, die zugehörige Funde gleich unter dem Artkel anzeigt.

So eine Funktionalität würde die Arbeit mit MediaWiki erheblich komfortabler gestalten. Nach einer Vorschlagsfunktion für Inhalte für Mediawiki suche ich schon länger.

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