IT-Opa meets Community-Jünger


2. April 2008, von in Neuigkeiten

sehr gespannt war ich auf die heute beginnende re:publica in Berlin. Ich dachte mir, als quasi-Opa der IT-Branche wird man hier als angehender Vierziger (oder Enddreissiger?) sicher mitleidig belächelt. So dachte ich, aber wer sich tarnt, also Turnschuhe anzieht und Anzug zuhause lässt, kommt gerade noch so ohne Aufsehens rein.

Erster Eindruck außen: Lässig, die Ostalgie ist auch da, die DDR gibts doch noch. Warum? Wir mussten erstmal in einer ca. 30m langen Schlange anstehen. Ja wirklich, anstehen…im Regen.Weird.

Die Leute, optisch das was Modemacher als „Tipping-Point“-People bezeichnen würden. Also Menschen die geeignet sind Trends zu setzen.

So, drinne bei den Web 2.0 Fundies, druntergemischt und dann kam der Auftakt: Die KeyNote von Victor Mayer-Schönberger, von der Harvard University mit dem vielversprechendem Titel „Nützliches Vergessen“.

Der Titel hielt was er versprach. Im Gegensatz zum menschlichen Gehirn, vergißt das Web bzw. Server und Festplatten einfach nix. Ob sich heute alle Kids und Teilnehmer der Online-Welt so richtig darüber bewusst sind, dass die elektronischen Spuren die sie heute hinterlassen, auch in 30, 40 oder 50 Jahren noch auffindbar sind und möglicherweise den Menschen nicht mehr so wiedergibt, wie er im Laufe der Jahre mutiert ist ?

Fraktale Informationen, da niemals vollständig, führen zu fraktaler Wahrnehmung des Betrachters, was wiederum zur Interpretation anregt, die nicht immer der Wahrheit am nähesten kommt.

Mayer-Schönebergers Credo lautet demnach „Zeitstempel“ für Informationen einzuführen, d.h. der User selbst kann entscheiden, welche Informationen über ihn veröffentlicht werden, d.h. er kann den Informationen eine Art Haltbarkeitsdatum für digitale Informationen hinzufügen.

Nach Ablauf dieser Frist löscht sich die Information von selbst. Dies schlägt er auch für Online-Verhalten vor. Wie wir heute alles wissen, sammeln alle wie wild User-Verhalten. Google, myspace, yahoo etc. wissen bis auf den einzelnen User „runter“, ziemlich genau, was wir im Netz so treiben.

Wenn ich an die nachfolgenden jüngeren Generationen denke, die demnächst in die Pubertät kommen und ganz sicher ein individuelles Internet-Verhalten entwickeln werden, das sich hochwahrscheinlich konträr zu unserem eigenen ist, nämlich im höchsten Maße unbekümmert was die Weitergabe von Privatem in den öffentlichen, digitalen Raum angeht, so stellt dies ganz sicher nicht nur neue Herausforderungen für den Gesetzgeber, sondern auch für die Eltern-Generationen dar.

Der elektronische „Gen-Code“ bzw. „digitale Fingerabdruck“ wird von den Kindern heute bereits festgelegt. Wer heute als 12-jähriger myspace (o.ä.) nutzt, legt damit Datenspuren offen, die ihn sein gesamtes Leben unauslöschlich begleiten werden.

Welche Folgen dies für ihr weiteres Leben haben wird, weiss heute noch niemand genau. Das es Auswirkungen haben wird, da bin ich mir absolut sicher.
Nix für unguat.

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