„Der Sieg der Straße“ – oder die revolutionäre Macht von Blogs im US-Präsidentschaftswahlkampf


17. September 2008, von in Abteilungen, Presse, Web & IT, Web x.0

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In der aktuellen Ausgabe des Spiegel (38/ 2008) beschreibt Klaus Brinkbäumer, wie The Huffington Post und Co. den Politikern die Hoheit über ihre Kampagnen nehmen. In “Der Sieg der Straße” (Seite 117–123) erklärt der Autor, wie die Huffington Post fast so mächtig wie die Washington Post werden konnte – und dass sich die Nachrichtenzyklen mit dem Internet grundlegend gewandelt haben. Während es früher noch zwei routinierte Runden Schlagabtausch aus Meldung, Dementi und Diskussion pro Woche gegeben hat – gibt es jetzt schon zwölf. Pro Stunde!!! Dadurch hat die US-Blogosphäre den amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf revolutioniert (siehe hierzu auch medienlese.com)

Besonders deutlich werden die Unterschiede zwischen den Internetkampagnen der beiden Kanditaten Barak Obama und John McCain herausgearbeitet. Zudem wird darauf hingewiesen, dass es das erste Mal über die politische Blogosphäre gelungen ist, 25,4 Mio US-Dollar an Online-Spenden für den Wahlkampf zu sammeln. Virtuelle Wahlkampfzentrale ist MyBarackObama, kurz MyBO, das Obama-eigene Social Network. Mehr als eine Million Nutzer haben sich bereits für MyBO registriert – eine riesige Datenbank, die das Kampagnenteam nutzt, um Wähler per E-Mail zu informieren und immer wieder zum Spenden aufzufordern. Diese Spenden sind notwendig, um die Wahlkampfmaschinerie am Laufen zu halten. Neu ist die intensive Verknüpfung von Online- und Offline-Wahlkampf: Auf MyBO können sich Obama-Anhänger nicht nur virtuell mit anderen Unterstützern aus ihrem Bundesstaat vernetzen. Mit ein paar Klicks können sie zudem herausfinden, wo weitere registrierte Wähler in ihrer Nähe wohnen, können diese zu Wahlpartys einladen oder Hausbesuche machen und Obama-Flyer verteilen. Obama hat damit bisher besser als McCain verstanden, was es bedeutet, Wahlkampf im sozialen Netz zu machen: Anhänger bleiben keine passiven Rezipienten von Wahlkampfspots und –reden. Vielmehr motiviert sie Obamas Kampagnenteam, ihren eigenen Wahlkampf zu gestalten. Getreu dem Motto „Yes We Can!“ soll jedem möglichen Wähler das Gefühl gegeben werden, ein zentraler Teil der Kampagne zu sein und zu Obamas Erfolg beitragen zu können. McCains Online-Bemühungen wirken zwar ebenfalls professionell – aber im Vergleich viel unpersönlicher als die Angebote des Demokraten (siehe hierzu auch blogpiloten.de).

Dem Autor des Berichts gelingt damit eine sehr ausgewogene und objektive Berichterstattung über die Blogosphäre in den USA und deren gegenwärtigen Einfluss auf den Präsidentschaftswahlkampf (siehe hierzu auch mapumedia.de). Diese Reportage ist damit nicht nur für Web 2.0-Enthusiasten, sondern für alle politisch, interessierten Bürger unbedingt lesenwesert. Bleibt nur noch abzuwarten, welchen Einfluss die deutsche Blog-Community auf den kommenden Bundestagswahlkampf im nächsten Jahr hier in Deutschland haben wird.

Für Interessierte hier noch weitere Hinweise:
Welchen Einfluss die Blogger-Community und vor allem welche Verantwortung sie freiwillig auch in Europa ausübt, kann man am Beispiel Kroation für den Balkan bei connectingmarketing.de nachlesen.
Abschließend noch ein weitere Link auf den politischen Blog edemokratie.ch, aus unserem Nachbarland der Schweiz.

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