Was taugen die neuen Nettop-PC?


31. Oktober 2008, von in IT, IT-Produkte, Neuigkeiten, Web & IT

Am vorletzten Samstag den 18.10.2008 habe ich auf hr3 im Rahmen c‘t-tv einen Bericht über Nettop-PC gesehen. Hier variieren die PC-Hersteller das Netbook-Kochrezept und bauen kompakte, einfach ausgestattete und vor allem billige „Maschinchen“ für den stationären Schreibtisch-Einsatz. Dieser hat mich dazu veranlasst, dieses Thema zunächst einmal in der „PC/ Rechner“ bei der snippr-community zu kommunizieren. Dabei hatte ich folgende Fragen gestellt:
1. Liefern die neuen Nettop-PC genügend Rechenleistung fürs Websurfen und andere einfache PC-Anwendungen?
2. Gelten für die zusätzlich mit angebotenen Betriebssysteme die gleichen Rahmenbedingungen wie für Netbooks?
3. Gibt es nicht jedoch zu sehr ähnlichen Preisen besser ausgestattete sowie deutlich leistungsfähigere Desktop-Rechner, darunter auch kompakte?
4. Welche spezifischen Vor- und Nachteile haben also Nettop-PC?
5. Werden diese Nettop-Rechner im Weihnachtsgeschäft 2008 bereits eine Rolle spielen?

Insgesamt hat mich die unmittelbar einsetzende, rege Diskussion veranlasst, die Antworten auf die o.a. Fragestellungen der Community grundsätzlich zur Verfügung zu stellen. Hierzu zunächst einige Zitate aus der Diskussion:

Mburow: Die Leistung der Dinger ist nicht zu unterschätzen, der Prozessor wurde nicht wie der Celeron abgespeckt, um weniger attraktiv und damit günstiger zu sein. Es (der Atom-Prozessor; Anm. d. Verf.) ist einfach der leistungsfähigste Prozessor, der mit kostengünstigen Mitteln zu entwickeln ist. Die Leistungsfähigkeit beschränkt sich dabei nicht aufs Surfen und Arbeiten, mit etwas RAM ist auch Video-und Bildbearbeitung durchaus angenehm. Nicht umsonst gibt es auch eine (sehr wörtlich genommene) Dualcore-Variante. Windows XP läuft mit den Treibern wunderbar, Vista hab ich noch nicht getestet und möchte ich auch gar nicht, soll aber auch laufen. … Die Leistung der aktuellen Nettops reicht auch für Bildbearbeitung noch mehr als aus, es sind vollwertige PCs von technisch gesehen vor einem Jahr. Daher wird es allein mit dem Spielen sehr sehr eng, die Vorteile liegen woanders: Leiser, stromsparender Wohnzimmer PC, auch fürs KFZ geeignet, kleiner Zweit-PC… Der Atom bügelt all diese Mankos aus und wird mit der Massenproduktion sicher noch ordentlich im Preis sinken. Für mich wäre es der perfekte Büro-PC, wenn ich nicht schon ein Notebook dafür gekauft hätte. Aber beispielsweise erwäge ich auch den Aufbau von 3-4 PCs zu Schulungs-Zwecken. Hier kommt mir der Preis sehr entgegen, und auch wenn ich für 100€ mehr einen „richtigen“ PC erhalte, habe ich hier für 100€ weniger genau das, was ich benötige. Ohne nervige Klangkulisse schult sichs gleich viel besser.

Abacus: Ich sehe die große Chance der Nettop Rechner in der geringen Größe und dem geringen (geringeren) Leistungsbedarf. Wenn man sich den neuen Nettop von Dell anschaut (Edit: Das Studio Hybrid das ich eigentlich meinte ist dann doch ein Core2Duo, aber hübsche Gehäuse in der Größe eines MacMinis sind dann ja durchaus möglich) hat man da durchaus ein Gerät das es ohne Probleme ins Wohnzimmer oder auf den Büroschreibtisch schaffen kann. Auch denke ich das integrierte Geräte (wie der iMac) durchaus eine Zukunft haben. Ich erwarte das ein Rechner in Zukunft keine erweiterbare „Bastelkiste“ mehr sein wird sondern eher etwas fertiges wie ein Mobiltelefon oder ein Spieleconsole. Apple macht es schon vor. MacMini oder iMac für die normalen User und wer die Leistung braucht und bezahlen kann greift zum MacPro.


Wie auch bei anderen Innovationen stand auch bei den Nettops wieder einmal ein Apple-Gerät Pate, nämlich der 2005 eingeführte mac mini. Auch Nettops sollen unkomplizierte Rechner für einfache Anwendungen sein, etwa Websurfen, Textverarbeitung, Musik hören und Video-Wiedergabe in PAL-Auflösung. Wie vom Mac mini gibt es auch von Nettops jeweils nur wenige Produktvarianten, Auf- oder Umrüsten ist eigentlich nicht vorgesehen. Ein spezieller Nettop, nämlich die Eee Box von Asus, verkörpert eine der bisher attraktivsten Bauformen: Eine flüsterleise, stromsparende Flunder, die für den normalen User ein ausgewogenes Maß an Rechenleistung und Ausstattung liefert. Während Apple für den Mac mini aber mindestens 500 Euro verlangt, kostet die Eee Box mit Windows XP lediglich um die 270 Euro. Dafür muss auch auf ein optisches Laufwerk verzichten und (grob geschätzt) mit der Rechenleistung eines 1-GHz-Celerons auskommen, während im Mac mini ein recht flotter Doppelkern-Processor aus der Notebookproduktion zum Einsatz kommt.

Eeebox.JPG Gem. Heise hat Intel wohl sehr genaue Vorstellungen von der Hardware-Ausstattung von Nettops: Es gibt genau zwei CPU-Versionen, nämlich den Atom 230 und die Dual-Core-Version Atom 330 – beides enge Verwandte des Netbook-Mobilprozessors Atom N270. Die PC-Hersteller haben indes ganz eigene Vorstellungen, wie ein Nettop aussehen und ausgestattet sein soll. Die Eee Box beispielsweise unterbietet vom Volumen her den Mac mini um gut 30 Prozent; noch kleiner sind teure Speziallösungen wie der Microspace-PC der schweizerischen Firma Digital-Logic, in dem die Embedded-Version Atom Z500 steckt. Beide Geräte kann man an der Rückseite von Monitoren mit VESA-Gewindebohrungen festschrauben.
Allerdings sind die meisten Nettops deutlich größer voluminöser als die Eee Box.

Der Barebone X27 von Shuttle hat in etwa das Format eines Brockhaus-Bands, der MiniPirat-Nettop passt knapp in einen Schuhkarton. Besonderes Geschick bei der Ausnutzung des Gehäusevolumens beweisen nur wenige Hersteller. So ist der Shuttle X27 trotz Notebook-Laufwerken mehr als doppelt so groß wie ein Mac mini. Mancher Hersteller setzt aus Kostengründen gleich auf Laufwerke im Desktop-PC-Format, etwa MSI beim Wind PC. Bei manchen Mini-Rechnern handelt es sich um sparsame, aber auch meistens sehr langsame Thin Clients, erweitert um Festplatte und Betriebssystem. Viel flotter, aber auch teurer sind Desktop-Rechner mit Mobilprozessoren nach dem Vorbild des Mac mini; solche haben etwa AOpen, Dell Studio Hybrid und Fujitsu Siemens Computers Esprimo Q im Angebot.

Viel mehr Auswahl gibt es bei sogenannten Small-Form-Factor-(SFF-) und Ultra-SFF-Rechnern mit (billigeren) Desktop-PC-Prozessoren. Alle großen PC-Hersteller offerieren Bürorechner für den gewerblichen Einsatz in solchen Formaten. Acer  Aspire L5100, Dell Inspiron S und HP Pavilion Slimline bauen auch Kompaktrechner-Serien mit mehr Multimedia-Ausstattung für Privatleute.

Die Nettop-Idee hat gem. Heise ihre Wurzeln in den sogenannten „Emerging Markets“. Damit werden Entwicklungs- und Schwellenländer wie China, Indien oder Südamerika beschrieben, wo man weltweit in Zukunft die höchsten Zuwachsraten bei den Computer-Stückzahlen erwartet. Deshalb feilen alle größeren IT-Hardware-Hersteller an Konzepten zur Eroberung dieser Märkte – AMD engagiert sich beim OLPC-Laptop XO, Intel hat das Schüler-Notebook Classmate PC entwickelt, VIA die PC-1-Initiative gegründet. In Entwicklungs- und Schwellenländern dienen Billigrechner als Marktöffner, sind also für Menschen gedacht, die nicht genug Geld für potentere Hardware haben. In den reifen Märkten der Industrieländer bergen Billigprodukte aber das für ihre Hersteller gefährliche Risiko, profitablere Waren zu verdrängen. Hier will Intel deshalb eine neue Klasse von Geräte formen, die als Zweit- oder Dritt-Computer gekauft werden und keine unmittelbare Konkurrenz zu den etablierten Notebooks und Desktop-Rechner aufbauen.

Zur Abgrenzung wurden durch INTEL die Kunstnamen Netbook und Nettop erfunden. Solche Computer bieten nicht viel mehr als Internet-Zugriff. Demgegenüber sollen Käufer, die mehr wollen, dafür auch deutlich tiefer in die Tasche greifen.
Eine offene Frage ist dabei auch, ob die PC-Hersteller in der Nettop-PC-Preislage vernünftigen Support leisten. Die seit einigen Jahren schnell wachsende Firma ASUS beispielsweise kämpft gem. Heise beim Service mit erheblichen Problemen, was die Attraktivität ihrer Produkte deutlich mindert. Vermutlich hat ein Intel-Manager mit seiner Erwartung recht, dass die Billig-Rechner einige neue Einsatzbereiche einfach dadurch erobern, dass sie so wenig kosten. Vielleicht verhelfen sie etwa der Wohnzimmer-PC-Idee quasi „von unten her“ zum Durchbruch, weil ein Nettop-PC mit zwei DVB-USB-Sticks und DVD-Brenner billiger ist als mancher Festplattenreceiver mit zwei Tunern. Möglicherweise sind Nettop-PC auch in Schulen und Kinderzimmern bald häufig zu finden.


Quellen:

Christof Windeck: Pallettenware. Das taugen „Nettops“, die neuen Billigrechner. In: c’t 22/ 2008, S. 126.

Michael Schmelzle: MID,NETBOOK und NETTOP. Die drei Intel-Atom-CPU-Geräteklassen vorgestellt. In: pc-welt 04/ 2008, S. 73.

Daniel Feldmeyer: Desktop meets Notebook. TRIGEM stellt Nettop auf INTEL-ATOM-Basis vor. In: IT-Business 09/ 2008, S. 62.

Florian Müssig: Klein, leicht, günstig, Netbooks von 200 bis 420 Euro. In: c’t 18/ 2008, S. 82.

Benjamin Benz: Schnäppchenherde. PCs der 200-Euro-Klasse im Test. In: c’t 15/ 2008, S. 96.

shixi.de :: Aetsch III. :: http://shixi.de/blog

Stefan Bornemann, 2. April 2009 um 11:48

Hallo obiltelefon wiki,

thank you very much for your trackback.

Kind Regards
Stefan

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