Irgendwann musste es einfach passieren: Der Vortrags GAU


Ich halte jetzt seit gut 20 Jahren relativ regelmäßig Vorträge. Ich schätze, dass ich in dieser Zeit ca. 200 Mal vor Publikum aufgetreten bin.

Da waren gute und weniger gute Vorstellungen dabei. Ich bin schon mal knapp vor Beginn eines Vortrags erst am Veranstaltungsort erschienen. Die Technik hat schon mal gehakt. Aber im Großen und Ganzen kann mann sagen, dass es immer irgendwie noch halbwegs gut gegangen ist.

Bis letzten Montag war das jedenfalls so. Ich war  in der Sparkasse Blomberg im Rahmen meines Charity Programms „Sabbeln für Kohle“ eingeladen, um meinen Vortrag „Web 2.0 im Unternehmen“ vor Mitarbeitern der Sparkasse, Kunden und der Presse zu halten. Ich bin selber seit 20 Jahren glücklicher Kunde bei dieser Sparkasse.

Ein Vortragsort in der Nähe, ein Vortrag, den ich so schon sehr oft gehalten habe, Zuhörer, die mich größtenteils kennen, genaue Absprachen mit dem Veranstalter zu den Technikerfordernissen, da kann ja eingentlich nichts schiefgehen. Dachte ich.

Ich hatte vorher Termine in Bielefeld und hatte ausreichend Fahrtzeit bis Blomberg einkalkuliert. Normalerweise ist die Strecke in 50 Minuten zu schaffen. Ich habe vorsichtshalber 1,5h eingeplant um spätestens 15 Minuten vor dem Vortrag in Blomberg zu sein. Um nicht mit irgendwelchen Internetproblemen kämpfen zu müssen, habe ich alle Seiten, die ich zeigen wollte, bereits vorher auf meinem Notebook geladen.

Ich bin keine 100m weit gekommen und ich stand auf der Eckendorfer Str. im Stau. Es rührte sich nichts mehr. Ich habe dann gedreht und versucht über die Heeper Str. aus Bielefeld herauszukommen. Auch hier war alles voll und ich habe 45 Minuten gebraucht, bis ich aus Bielefeld heraus war. Es war kein Anlass für diesen Stau zu erkennen oder gemeldet. Meine Zeitreserve war damit hinüber. Ich bin dann um 17:17 in Blomberg auf den Parkplatz gerollt. Also je nach Sichtweise 17 oder 2 Minuten verspätet. Die Zuhörer waren jedenfalls bereits vollzählig versammelt.

Es stellte sich dann heraus, dass das VGA Kabel des Beamers nicht auf meinen VGA Anschluss im Notebook passte. Da war eine Metallnase dran, die ich so vorher auch noch nicht gesehen habe. Also wurde kurz ein neues Kabel organisiert, dass aber zu kurz war, somit musste das Pult versetzt werden. Der Beamer wurde angeschlossen, wir sahen zufrieden 10 Sekunden das Bild in der gewünschten Auflösung und dann

nichts mehr

Der Beamer zeigte nichts mehr an, mein Display am Notebook wurde schwarz. Es war 17:25. Der erste Kommentar aus dem Publikum zum Thema PC-SPEZIALIST und die Beherrschung einfacher Technik landete einen leichten Wirktreffer.

Mein Notebook war also abgeschmiert. Das bedeutet Neustart und richtig: Meine vorgeladenen Seiten waren weg. Ich hatte ca. 40 Internetseiten vorgeladen.

Nach dem Hochfahren des Rechners habe ich festgestellt, dass in dem Raum kein WLAN vorhanden ist. Nicht schön aber lösbar. dann lade ich eben mit UMTS gerade die Seiten. Ein kurzer Blick auf mein Handy: Kein Netz!

Ein Mitarbeiter der Sparkasse zeigte mir ein Netzwerkkabel, dass ich dann gleich einsteckte: Keine Verbindung! 17:30

Ich gehe im Regen auf den Parkplatz und erwische 2 Balken EDGE. Erleichtert lade ich die Seiten erneut. Das dauert zwar ganz schön lange, aber es geht. Bis ich die internen Wiki Seiten aufrufen möchte. VPN bekommt keine Verbindung. Weder über den Webclient, noch über pppt. Aber immerhin, die Hälfte der Seiten ist, da. Das könnte reichen.

17:45: erneutes Anstecken eines klatschnassen Notebooks an den Beamer. Das Bild kommt

und erlischt

auf der Leinwand und auf meinem Notebook.

Die Seiten sind wieder weg. So langsam bin ich ratlos. Wir stimmen mit dem Publikum 3 Optionen ab: Wir verschieben den Vortrag auf einen anderen Tag. Ich trage ohne Beamer vor. Oder wir investieren noch mal ca. 10 Minuten in einen neuen Versuch mit einem anderen Beamer. Die Mehrheit ist für einen neuen Versuch mit einem anderen Beamer.

Also noch mal raus in den Regen. Neustart des Notebooks, quälend langsames Neuladen der Seiten. VPN geht immer noch nicht. Wieder in den Vortragsraum. Neuen Beamer anschließen. Luft anhalten, das Bild kommt, es hält! 18:00

In einem Anflug von Übermut, stecke ich noch das Netzwerkkabel ein. Der Mitarbeiter der Sparkassen hat in der Zwischenzeit das Kabel patchen können. Jetzt habe ich sogar VDSL und VPN geht auch plötzlich wieder. Also noch mal eben fix die internen Wiki-Seiten laden und dann kann es losgehen. Es ist jetzt 18:05.  Das Bild ist immer noch auf der Leinwand zu sehen.

Wer schon mal in einer ähnlichen Situation war, ahnt, wie schwer es nun ist in eine halbwegs passable Vortragsstimmung zu kommen.

Die Technik hält jedenfalls nun durch. Nach ca. 70 Minuten Vortrag mit einer Menge Zwischenfragen schließt sich eine lebhafte Diskussion zum Thema Web 2.0 und die Auswirkungen auf Unternehmen an.

Ich kann nur hoffen, dass die Zeit für die Gäste und Mitarbeiter der Sparkasse Blomberg, trotz des Katastrophenstarts noch wertschöpfend war.

Ich grübel jetzt natürlich, ob Powerpoint nicht doch zumindest als Rückzugslösung eine ganz passable Technologie sein könnte.

inci08 (Rebekka Kaiser), 18. August 2010 um 08:10

Angeblicher Vortrags GAU, ich finde es eher bemerkenswert, 200 Vorträge ohne große Panne durchgehalten zu haben http://tinyurl.com/27neake

Stefan Bornemann, 18. August 2010 um 10:21

Hallo Frank,

denke vielleicht auch über pdf als alternatives Format nach. Zudem dann „als ultimative Rückversicherung“ die Präsentation vorher an den Veranstalter übersenden mit der Bitte um zeitgerechte Installation.

Gruß
Stefan

Christiane Hoffmann, 18. August 2010 um 23:03

Oh vielen Dank für den Tipp, bin am 26.08.10 um 19.30 Uhr in der Sparkasse Blomberg zur Ausstellungseröffnung Nika. Man weiß ja nie.

Damian Filipowsky, 26. August 2010 um 13:12

Blomberg ist immer eine Reise wert.
Die Einwohner kennen Gerhard Schröder, dort ist das höchste ProKopf Einkommen Deutschlands (gemessen an der Dichte der Einwohner).

Und ein wirklicher Spezialist ist, wer so einen Vortrag noch rüberbringt.
Sabeln für Kohle – nichts einfacher als in einer Bank?!

Ich habe selber mal in Blomberg gearbeitet. Da wird gearbeitet wo andere Urlaub machen!
Nun wirst auch du diesen Berg nicht vergessen ;-)
P.s. Gut geschriebener Beitrag. Gilt auch für „dein“ Buch…

Gruss

Damian
Ritter des Minitab

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