iTeam Geschäftsführer Brief 05/2015 zum Thema Cloud als potenzielle Disruption in der IT


8. Mai 2015, von in Für Systemhäuser, iTeam

Lieber iTeam-Partner, 

bei SYNAXON befassen uns im Führungskreis uns jedes Jahr einmal institutionalisiert mit unserer Strategie. Dabei stellen wir uns u.a. die Frage: Was könnten die anderen Marktteilnehmer alles anstellen, um uns das Leben so richtig schwer zu machen oder uns sogar aus dem Markt zu drängen?

Dabei beleuchten wir nicht nur die Bedrohungen für uns als Verbundgruppenzentrale sondern auch für unsere Partner. Denn wenn es euch aus dem Markt fegt, wird es uns auch nicht mehr lange geben. Dieses Jahr tauchte dort zum wiederholten Mal als zentraler Faktor die Cloud auf. Und jedesmal diskutieren wir, ob wir sie eher als Bedrohung oder als riesiges Geschäftspotenzial einordnen müssen. Diese Frage haben wir auch dieses Mal nicht eindeutig beantworten können.

Innerhalb der Cloud nimmt für uns das Thema Infrastructure as a Service (IaaS) eine dominante Rolle ein. Zusätzlich halten wir die Themen Software as a Service (SaaS) und Cloud-Storage für hoch relevant.

 

Viele iTeam-Partner haben einen Wertschöpfungsschwerpunkt im Infrastrukturgeschäft. Darunter verstehen wir alle Netzwerkthemen, wie Server, Storage, Security und laufende IT-Betreuung.

Dieses Geschäft wird sich durch die Cloud massiv verändern. Wie bei fast allen Trends haben wir es hier mit einem typischen Verlauf nach dem Muster des Gartner Hypezyklus zu tun.

Hype

 

Vor ca. 5 Jahren hatten wir den Gipfel der überzogenen Erwartungen erreicht. Damals waren sich fast alle Marktforscher sicher, dass die Cloud heute alles dominieren wird und bei mindestens 50% Anteil unseres Geschäftes liegen wird. Tatsächlich liegt die Cloud-Quote im deutschen Firmenkundengeschäft heute gerade mal bei 11-12% und ist letztes Jahr sogar ein wenig zurückgegangen. Es wäre damals für die meisten von uns falsch gewesen, das gesamte Geschäft auf die Cloud auszurichten. Genauso falsch ist es allerdings heute, sich entspannt zurückzulehnen. Ich glaube, dass wir das Tal der Enttäuschungen entweder bereits hinter uns haben oder der Tiefpunkt sehr bald erreicht ist. Genauso wie der eCommerce erst hochgehypt und dann zu früh zu den Akten gelegt wurde, könnte es uns bei der Cloud ergehen. Ich halte die Wahrscheinlichkeit, dass wir es mit einem langsamer als erwarteten aber letztlich doch unaufhaltsamen Siegeszug zu tun haben, für sehr hoch.

Die Vorteile des Cloud-Geschäftes gegenüber klassischer Infrastruktur sind aus Kundensicht einfach zu groß als das es sich nicht durchsetzen würde. Die Kostenvorteile sind gigantisch. In Wirklichkeit ist die Datensicherheit in der Cloud größer als in einer eigenen Infrastruktur, auch wenn sich das gerade im deutschen Mittelstand noch nicht herumgesprochen hat. Die Skalierbarkeit ist gegenüber eigener Hardware atemberaubend. Kunden können hochvolative Kapazitätsanforderungen im Augenblick des Bedarfs konfigurieren.

Die Cloud hat disruptives Potenzial. Sie nimmt uns mit einiger Sicherheit Deckungsbeiträge bei Serverhardware und Softwarelizenzen. Gerade bei SaaS besteht das massive Risiko, dass wir langfristig gar keinen Anteil mehr vom Lizenzkuchen abbekommen. Möglicherweise werden einige sogar ganz aus dem Infrastrukturgeschäft gedrängt. Wir müssen z.B. davon ausgehen, dass Amazon Webservices (AWS) bereits dieses Jahr auf über 8 Mrd. Euro Umsatz im Infrastrukturgeschäft wächst. In der Startupszene ist AWS mittlerweile ein Quasi-Standard. Amazon wird wie andere Anbieter alles dafür tun, dass wir als IT-Dienstleister in diesem Feld überflüssig werden. Sie werden hart daran arbeiten, dass die Infrastrukturen so einfach werden, dass die Kunden sie selber werden managen können. Google gibt mit Apps for Business schon mal eine deutliche Richtung vor.

So beunruhigend das klingt, ist das aus unserer Sicht kein Grund zur Panik. Es ist wahrscheinlich nicht so, dass ab morgen erstens alle Kunden in die Cloud wollen und wir im nächsten Schritt überflüssig werden. Wir werden noch ein paar Jahre sehr gut vom traditionellem Infrastrukturgeschäft leben können; aber leider auch nicht mehr ewig.

Es gibt mehrere Möglichkeiten für iTeam-Partner, mit dieser Disruption umzugehen. Die eine ist, das Spielfeld zu wechseln. Das haben einige von euch bereits hinter sich und spielen das Infrastrukturspiel nicht mehr. PC-SPEZIALIST hat das mit der durch eCommerce ausgelösten Disruption ebenfalls auf diesem Weg gelöst. Man hat das Spielfeld des Handels verlassen und sich als Dienstleister oder Softwarehersteller neu positioniert.

Eine weitere Möglichkeit ist, sich auf die Suche nach nachhaltigen Geschäftsmodellen mit der Cloud zu machen und letztlich bewusst und kontrolliert den Tod des eigenen alten Geschäftsmodells herbeizuführen. Diesen Weg gehen wir z.B. bei einsnulleins. Wir bieten bereits jetzt jedem Kunden parallel zu den “normalen” Infrastruktulösungen immer auch Cloudlösungen an. Wir merken, wie das Interesse daran langsam aber stetig steigt.

Letztlich war es bislang immer so, dass durch neue disruptive Technologien alte Deckungsbeiträge vernichtet wurden aber neue und bessere entstanden sind. Ich glaube, dass es das Beste ist, sich nicht mit einem strategischen Masterplan an diese Aufgabe zu machen, sondern im höchsten Maße agil vorzugehen. Lasst uns bei iTeam wechselseitig darüber berichten, wo die neuen Deckungsbeiträge liegen und wie man sie am besten zum Nutzen des Kunden hebt. Ich freue mich auf die Diskussionen zu diesen Themen mit euch.

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