iTeam Geschäftsführer Brief 07/2015 – Strategisch oder lieber opportunistisch arbeiten im Systemhaus?


8. Juli 2015, von in Für Systemhäuser, iTeam

Lieber iTeam Partner,

ich habe bei vielen Gelegenheiten die Diskussion geführt, welche Strategie für die iTeam Partner die richtige sein könnte oder ob man überhaupt strategisch arbeiten sollte.

Die Meinungen im Partnerkreis dazu gehen weit auseinander. Es herrschen im Wesentlichen 2 Lager vor: Die Strategen und die Opportunisten.

Ich weiß, dass der Begriff “Opportunisten” bei vielen negativ belastet ist. Ich mache dafür Werbung, diesen Begriff wertneutral zu verwenden. Wir können aber auch gerne zusätzlich den Begriff “agil” verwenden.

 

Ich gehe im Folgenden von dem Strategiebegriff nach Mintzberg aus. Danach muss für eine Startegie ein Plan existieren, der mittel- (2-4 Jahre) oder langfristig (4-8 Jahre) vollständig umgesetzt wird.

Mein Eindruck ist, dass die Opportunisten bei iTeam stark in der Mehrheit sind. Sie sind mal mit einem Plan gestartet, der wurde aber sehr früh durch starke Gelegenheiten (Opportunitäten) über den Haufen geworfen. Wenn man sich die heutige Aufstellung der meisten Partner anschaut, so scheinen sie gerade nicht einem langfristigem Plan zu entspringen, sondern dem entschlossenen und schnellen Ergreifen unternehmerischer Chancen. Diese kommen meist aus 2 Richtungen: Hersteller oder Kunden. Innerhalb der SYNAXON AG finden wir beide Vorgehensweisen. SYNAXON als Verbundgruppenanbieter geht strategisch vor, einsnulleins zur Zeit ganz klar opportunistisch.

Mir scheint, dass die opportunistische Vorgehensweise im Systemhausgeschäft die verbreitetere und erfolgreichere ist. Ich gehe sogar so weit zu behaupten, dass unser heutiges klassisches Systemhausgeschäft eher strategiefeindlich ist.

Das liegt meiner Meinung nach daran, dass wir es mit einem sehr dynamischen und vor allem komplexen Umfeld zu tun haben. Das ist eine strategiefeindliche Umgebung, die durch agiles Handeln und dem schnellen und geschickten Nutzen neuer Gelegenheiten deutlich besser beherrscht werden kann. Man könnte auch sagen dieses Umfeld übt einen starken evolutionären Anpassungsdruck aus. Dadurch sind in unserem Geschäft agile und opportunistische Unternehmen den Strategen gegenüber im Vorteil.

Allerdings hat dieses Vorgehen auch einen entscheidenden Nachteil: Das Ausnutzen von Gelegenheiten findet in aller Regel ausschließlich auf Inhaber- oder Geschäftsführungsebene statt. “Normale” Mitarbeiter erkennen und nutzen aufkommende Gelegenheiten nicht im gleichen Maße. Das ist eine gefährliche Wachstumsbremse und könnte die Ursache dafür sein, dass es nicht viele agile Systemhäuser über die 100 Mitarbeitergrenze schaffen. Wenn wir an unsere Altersabsicherung denken, muss uns klar, sein, dass Unternehmen über 100 Mitarbeiter erstens leichter zu verkaufen sind und zweitens viel höhere Preise erzielen als Kleine. Das hängt auch damit zusammen, dass Unternehmen über 100 Mitarbeiter in aller Regel unabhängiger von ihren Gründern sind und damit die Integrationsrisiken für den Erwerber niedriger sind.

Und ich glaube, so kommen wir möglicherweise an einen methodischen Zielzustand für Systemhäuser: Wir brauchen starke Unternehmensvisionen, Missionen und starken Werte, die einerseits weit genug sind, um agiles und opportunistisches Handeln unterhalb der Geschäftsführerebene  zu ermöglichen aber anderseits die klaren Grenzen und Handlungsräume aufzeigt, um unabhängig von den Inhabern agieren zu können.

Völlige Beliebigkeit funktioniert ebensowenig wie eine zu starre Strategie. Wir brauchen zusätzlich Mitarbeiter und Führungskräfte, die in der Lage sind eigenständig die heute uns vorbehaltenen Entscheidungen zu treffen. Dieses Spannungsfeld zu beherrschen wird eine wesentliche Fähigkeit von uns für die erfolgreiche Gestaltung der Zukunft sein.

Wir man das erreicht, kann und sollte Gegenstand vieler folgender Diskussionen, Workshops, Seminaren und vielleicht auch von Geschäftsführerbriefen sein. Es gibt hier wie in der Kunst keine eindeutigen Antworten aber ein guter Künstler wird man in aller Regel auch nur dann, wenn man sein Handwerk beherrscht. Wer sich auf diesen Weg begeben möchte, wird mindestens 20% seiner Arbeitszeit damit verbringen müssen, am und nicht im Unternehmen zu arbeiten. Das klingt erst mal wenig und ist auch erreichbar, ist aber dann doch mindestens 1 Arbeitstag pro Woche. Dieser ist aber sehr gut investiert.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.