iTeam Geschäftsführer Brief 09/2015 – 2 Buchempfehlungen, die nichts mit IT zu tun haben


11. Oktober 2015, von in Neuigkeiten

Jeder hat Bücher, die sein Denken wesentlich geprägt haben. Bei mir gehören 2 ganz sicher dazu:

Das egoistische Gen, von Richard Dawkins und
Die Macht der Meme von Susan Blackmore

Die Links gehen auf meine damaligen Buchbesprechungen in meinem Blog.

Dawkins stellt uns Menschen im Wesentlichen als Mulitplikations-Werkzeuge von Genen dar und erschüttert unser Verständnis vom selbstbestimmtes Handeln. Er entwirft am Ende des Buches in ersten Ansätzen das Modell der Meme, welches dann von Blackmore erheblich weiter entwickelt wird.

Danach sind Meme eine Abstraktion der Gene auf Informationseinheiten.Sie verhalten sich analog zu Genen. Meme replizieren sich, sie mutieren und stehen in einem selektiven Wettbewerb zu anderen Memen. Sie versuchen immer bis an Grenzen zu wachsen. Meme sind z.B. politische Ideen, Musikstücke oder Softwarecode. Gruppen von Memen werden als Memplexe bezeichnet.

Menschen sind nach diesem Modell Produkte einer genetisch-memetischen Koevolution, bei denen die Rolle der Meme, die der Gene leicht dominiert. Das erklärt u.a. dass selbst körperlich deutlich angeschlagene Musiker kaum Probleme haben, Fortpflanzungspartner zu finden.

Zu Ende gedacht ist das beunruhigend. Es ist allerdings ein sehr nützliches Modell zur Erklärung und Vorhersage vieler Effekte, die anders kaum oder oder nur komplizierter zu erklären sind. Da bleibe ich ein Freund von Ockhams Rasiermesser, nach dem der einfacheren Theorie grundsätzlich der Vorzug zu geben ist.

Unternehmen kann man durchaus als Memplexe betrachten. Unternehmen sind Komplexe vielschichtiger Meme, bestehend aus Ideen und Werten, die ihrerseits die Unternehmenskultur bilden.

Mir ist dieses Modell wieder durch den Kopf gegangen als ich vor 2 Wochen bei den Petersberger Gesprächen einen Vortrag des Vorstandsvorsitzenden der Telekom Timotheus Höttges gehört habe. Höttges könnte man sich ohne Weiteres auch als Vorstand eines Silicon Valley Unternehmens vorstellen. Er ist sehr modern in seinen Ansichten, hat die für sein Unternehmen wesentlichen Trends und Anforderungen vollständig erkannt und möchte den Riesentanker Telekom erfolgreich für die Zukunft anpassen. Er machte auf viele Zuhörer den Eindruck, dass er mental unglaublich weit von seiner eigenen Organisation entfernt ist und viele haben sich gefragt, wie er das hinbekommen möchte.

Unternehmen haben wie alle Memplexe eine unglaubliche Eigenstabilität. Sie ist stark positiv mit der Unternehmensgröße korreliert: je größer, desto stabiler. Genau wie es nur selten zu Mutationen bei Menschen kommt, neigen Memplexe ebenfalls selten zu Veränderungen.

Man hat den Eindruck, dass sie fast unabhängig von ihren Wirten, also den im Unternehmen beschäftigten Menschen bestehen und diese kaum durch Einzelne wirksam und nachhaltig verändert werden können. Das macht grundlegende und schnelle Veränderungen so unglaublich schwer.

Meist prägen Unternehmen ihre Menschen stärker als umgekehrt. Sie verändern sich meist nicht mal, wenn die Menschen darin ausgetauscht werden.

Unsere Unternehmensumwelt verändert sich laufend. Sie ist dynamisch. Unsere Unternehmen verändern (mutieren) ohne gewaltsame Eingriffe langsamer als die Umwelt.

Wenn wir verhindern wollen, dass sie selektiv durch neue Memplexe im Wachstum behindert oder sogar verdrängt werden, müssen wir schnellere Mutationen herbeizwingen und sie unternehmensintern viral ausbreiten lassen. Das ist nicht einfach aber machbar.

Ich finde, dass das Modell der Meme und Memplexe Veränderungsmanagement besser beschreibt als jedes andere mir bekannte Modell. Es kommt zu deutlich anderen und besseren Schlussfolgerungen.

Ich war froh, dass ich durch den Vortrag von Höttges wieder an dieses Modell erinnert wurde. Es ist ein sehr kaltes und emotionsloses Modell. Niemand sollte Unternehmen ausschließlich darüber führen aber es hilft ungemein, Dinge besser zu verstehen.

Deswegen kann ich diese beiden Bücher empfehlen, sie erweitern unseren Horizont und geben uns zusätzliche Instrumente an die Hand. Nebenbei sind sich sehr unterhaltsam geschrieben.

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