iTeam Geschäftsführer Brief 07/2016 – iTeam war in China


Bildungsreisen bieten die Möglichkeit, unabhängig vom Unternehmensalltag, Impulse für die eigene strategische Ausrichtung zu bekommen. Ob Besuche in Technologiefirmen, bei Investoren, Verbänden, politische Institutionen oder Behörden – alle bieten die Chance, den eigenen beruflichen Horizont zu erweitern.

So erging im Juli 2015 der Auftrag an unseren Stab, eine Auslandsbildungsreise nach China zu organisieren.

Nach gut einem Jahr der Planung ging es am 12. Juni Richtung Hong Kong. 16 Partner haben meinen Vorstandskollegen Mark, die Organisatorin der Reise, Valerie, und mich begleitet. Was wir dort gesehen haben, wird mich noch lange beschäftigen.

Fast unbemerkt von der Welt hat sich im Perlflussdelta – insbesondere in der Stadt Shenzhen – ein Ökosystem der Innovation und des Fortschritts gebildet. Nicht umsonst wird Shenzhen als das “Silicon Valley der Hardware” bezeichnet. Neben seiner beherrschenden Größe als Produktionsmittelpunkt der Welt, agiert Shenzhen heute vor allem als treibender Trendsetter der Welt.

Unterstützt wird diese Entwicklung des Perlflussdeltas durch seinen Status als Sonderwirtschaftszone. In einer Stadt, in der bis 1979 nur 30.000 Einwohnern an der Grenze zu Hongkong lebten, versprühen heute 15 Millionen Einwohnern eine Leidenschaft und ein Gefühl des “Wollens”, wie ich es kaum zuvor erlebt habe.

Bei verschiedenen Terminen mit Vertretern von Bildungsinstituten, Unternehmen und der Maker-Szene hat sich mein Eindruck nur bestätigt.

Sei es ein Unternehmen wie Huawei mit 170.000 Mitarbeitern – von denen irre 79.000 allein in der R&D angestellt sind. Seien es die Ansprechpartner bei Shenzhen BYD Daimler, die Chinas erste E-Automarke betreiben, und Prof. Ralf Jauch, der an der Guangzhou Institute of Biomedicine and Health Genforschung betreibt. Seien es die Maker, die sich dafür einsetzen IT und IT-Produkte wieder allgemein zugänglich zu machen und so das Auseinandersetzen mit IT in die Massen bringen. Eine jede dieser Parteien hat einen derartigen Drang in die Welt und den Markt vermittelt, der so geballt kaum woanders zu finden ist.

Wir sollten vielleicht unsere sehr einseitige Fokussierung auf das Silicon Valley beenden und einen Blick nach Shenzhen wagen. Da könnte ein wesentlicher Teil der künftigen Innovation stattfinden. Und das hat auch damit zu tun, dass dort ein sehr piratiger Umgang mit gewerblichen Schutzrechten ein Kreativitätsturbo bildet.

Auch Ralph Friederichs, Gründer und Geschäftsführer der CYBERDYNE GmbH in Köln, hat mich auf dieser Reise begleitet. Er bestätigt meinen Eindruck:

Galt China vor einigen Jahren noch als verlängerte Werkbank des Westens, so ist aus dieser Werkbank längst eine eigene Industrie, ja ein eigenes Ökosystem entstanden. Alleine die Zahlen sprechen für sich. Über 90% der weltweiten Consumer Elektronik wird in der Region hergestellt. Wenn es um Hardware geht, gibt es nichts Vergleichbares in der Welt. Und IT-Unternehmen wie Huawei, Alibaba oder auch WeChat stehen bereit, den Weltmarkt zu erobern.
[…]
China, der schlafende Riese ist längst erwacht, ist aus der Rolle der erweiterten Werkbank herausgewachsene, kopiert nicht mehr, sondern entwickelt längst selber. Erst für den heimischen Milliardenmarkt und in vielen Bereichen bereits für die ganze Welt. Alle Teilnehmer der Reise waren sich einig, dass man die Metropolregion am Perflussdelta als das Silicon Valley von China bezeichnen kann und ihr mindestens soviel Aufmerksamkeit schenken sollte, wie der Region rund um Palo Alto.”

Um einen Eindruck von der Entwicklung vor Ort zu erhalten, möchte ich euch zum Abschluss folgende Dokumentation empfehlen: The Silicon Valley of hardware. Alle drei Teile bieten beeindruckende Impressionen und sind absolut sehenswert. Zwei der Interviewpartner, David Li (Director SZOIL) und Eric Pan (CEO SEEED), konnten wir vor Ort treffen und zu ihren Erlebnissen im Perlflussdelta befragen.

Selbst noch kein iTeam-Mitglied? Informieren Sie sich jetzt bei Bastian Volberg, Fachbereichsleiter der Expansion, unter 05207 9299 338 oder bastian.volberg@synaxon.de.

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